Wildes Afrika – Tansania

Nachfolgend kommt ein Rückblick zu meiner Reise. Ich bin seit einer knappen Woche glücklich wieder zuhause und auch wieder im Alltag angekommen. Ich bin all meinen Freunden sehr dankbar, die mir ermöglicht haben, mich für die Zeit meiner Reise „auszuklinken“ und die mich durch die Zeit „mitgetragen“ haben. Der Beginn meiner Erzählung ist unten auf der Seite ab dem Absatz „Die Reise“ zu finden.

Ich möchte meinen ursprünglichen Bericht noch abrunden und um die letzten Erfahrungen ergänzen.

Ausritt2

Rückblick

Nachdem Eli und Laszlo von den Safaris zurückgekehrt waren, hatten Caro und ich noch die Gelegenheit, bei Kastrationen von Hunden dabei zu sein. Dort bin ich auch erstmals mit erfolgreichen (!) Wiederbelebungsmaßnahmen am Hund konfrontiert worden. Ich konnte so miterleben, wie schwierig es ist, die richtige Narkose-Dosierung während einer Operation zu finden.

Mit Catberry, die ich von Anfang an betreut habe, haben wir noch den Rollstuhl, den Caros Mutter extra besorgt hatte, ausprobiert und mit den letzten Besitzern überlegt, wie man ihn anpassen könnte. Er war bereits zu klein für sie und somit bastelten Eli und ich dann noch an einer Zwischenlösung, einer Art Tragetasche aus einer Satteldecke geschnitten. Mir fiel auf, wie viel kreativer man dann in einem solchen Land wird, wo man einfach nicht alles so fertig kaufen kann. Außerdem konnte ich Elis langjährige Erfahrung spüren. Catberry fing an, immer schwächer zu werden. Ihr Schleimhäute waren auf einmal weiß und Eli stellte auch bei ihr das Zeckenfieber fest. Sie begann unmittelbar mit der Therapie. Catberry knabberte sich mittlerweile auch immer mehr an den Vorderbeinen und bekam dann noch ganz schlimme Atemnot. Einige Stunden später verstarb sie in meinen Armen, als ich sie aus ihrer Box holte. Wir haben angenommen, dass es eher ein neurologisches Problem war als das Zeckenfieber. Ihre Wirbelsäule hatte vor dem Kreuzbein eine deutliche Stufe und vorne rechts an der Schulter hatte sie deutliche Einblutungen. Ich habe sehr um Catberry getrauert und tue es noch. Ich habe sie in all meiner Zeit in Tansania eng und viel betreut, was auch viel von einer Art Hilflosigkeit begleitet war. Ich hatte sogar in Erwägung gezogen, sie mit nach Deutschland zu nehmen, um sie operieren zu lassen und sie zu therapieren. Sie war so lebensfroh und wollte so viel laufen und erkunden und spielen. Sie wird in meinem Herzen bleiben und mich bei meinen weiteren Therapien stets begleiten.

Es kamen noch vereinzelt Patienten zum impfen oder um großflächige Wunden, die bereits älter waren, zu behandeln. Caro und ich haben uns auf die Betreuung der Dauerpatienten fokussiert.

Schweinkraulen

Nebenbei habe ich immer wieder Runden bei den Tieren auf der Farm gedreht. So kam ich auch mal in den Genuss das Warzenschwein zu kraulen oder auch den Büffel, der mit den Kühen lebt, zu berühren. Und der Sekretär hat mich gekickt. Sekretäre trampeln anscheinend auf ihrer Beute rum, wie z.B. Schlangen und sie kicken auch zu diesem Zweck. Ich fand es immer noch angenehmer, als von einem Affen gebissen zu werden. Oder auch einer Maus. Wir haben in einer Abendaktion alle weißen Mäuse, die dort zum Füttern gezüchtet werden, geschlechtsmäßig getrennt. Es ist nicht wirklich einfach, das Geschlecht bei einer Maus zu erkennen. Als eine Maus mir entwischen wollte und ich sie noch packte, schaffte sie es, mir in den Finger zu beißen.

Wenn die Tiere sich dann doch nicht so verstehen, wie man gehofft hat, stehen auch Entscheidungen an, diese Tiere wieder zu entfernen. So wurden zum Impala ursprünglich zwei Ziegen gestellt, ein Ziegenpaar. Der Bock fing nun an, mit dem Impala zu kämpfen. Nun ist der Bock zwar kleiner, aber wesentlich stämmiger und hat zudem noch Hörner, die das Impala auch verletzten. Es stellte sich die Frage, ob man die Hörner kürzt oder den Bock entfernt. Mit der Kürzung wäre das Jagen und Kämpfen immer noch als Risiko geblieben und so wurde der Bock kurzerhand geschlachtet und verfüttert.

Kurz vor meiner Abreise fing Caro an, Spinnen zu sammeln. Ihr erster größter Fund war eine schwarze Witwe. Ich habe ja nichts gegen Spinnen und ich war auch froh, dass sie dann in einem Glas war, aber am nächsten Morgen kam dann doch ein anderes Gefühl auf, als ich den Morgenspaziergang durch Spinnenweben machte…

In der zweiten Hälfte meines Aufenthalts habe ich nicht mehr viele Ausflüge gemacht. Caro und ich haben die Gelegenheit genutzt und sind an einem Tag für die Einkäufe mit nach Moshi gefahren. Wir waren auf einem Markt, haben Avocado-Milchshake in einem recht europäischen Café getrunken und einen Supermarkt erkundet. Unsere tansanische Begleitung hat uns noch zu einem Schmuckstand geführt und so habe ich als Mützenfan noch eine Tansania-Mütze erhandelt. Man muss nur einen Artikel schräg anschauen und schon wird man die Verkäufer dort kaum los. Eigentlich erscheint als einzig wirksames Argument nur, dass man kein Geld hat. Alle anderen Argumente sind komplett wirkungslos.

An einem anderen Tag habe ich noch Max, einen Biologie-Doktorand, nach Old Moshi begleitet. Dort wohnen die deutschen Biologieprofessoren, die eine Forschungsstation leiten. Ihnen gehört der Katzenpatient, der von den Hunden durchgekaut wurde. Ich habe mich so gefreut, ihn wieder zu sehen. Mit einem der Angestellten durfte ich dann eine Wanderung ins nahe gelegene Tal machen. Wunderschön, teils an einem Wasserlauf entlang, auf einem kleinen Pfad bis hin zu einem Wasserfall. Der Weg war abenteuerlich, teils rutschig, teils steil. Bewundernswert ist, dass die Tansanier diese Wege einfach so in ihren FlipFlop marschieren – und das nicht mal langsam.

Unser Katzenpatient bei der Genesung daheim
Unser Katzenpatient bei der Genesung daheim

Zum Ende meines Aufenthalts durfte ich noch einen Monkey Walk mit Felix machen. Ich war mir erst unsicher, ob ich das nach meinen Affen-Erfahrungen wirklich tun wollte. Da sogar Tagestouristen dafür extra zur Farm kommen und es auch überstehen, wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Es war ein toller Ausflug! Wir hatten 2 Grünmeerkatzen und 3 Diademmeerkatzen dabei und sind dorthin gegangen, wo auch die Pferde in der Nähe grasten. Die Affen spielten in den Bäumen, sammelten Blätter und Früchte und kamen immer auch mal zu uns. Wir haben dann mit ihnen bzw. für sie Heuschrecken gesammelt oder sie zum Früchte sammeln an den Busch gehalten, so dass sie besser dran kamen. Mittlerweile konnte ich die Affen doch etwas besser einschätzen und sie auch mal abschütteln, wenn sie zu aufdringlich wurden. Am Ende durfte ich Mary sogar nach Hause tragen. Wichtig ist, die Affen am Schwanz festzuhalten, wenn man sie wohin bringen möchte.

Felix lässt die Affen frei
Felix lässt die Affen frei
MonkeyWalk
MonkeyWalk
Monkey Walk
Monkey Walk
Diademmeerkatzen
Diademmeerkatzen

Am Tag vor meiner Abreise sind wir nochmals mit Laszlo auf der Farm ausgeritten. Trotz sehr kühler und auch wolkenverhangener Tage zuvor, kam dann doch noch die Sonne raus und der Kili und auch der Mount Meru zeigten sich in voller Gänze. Laszlo wählte eine neue Route über die Farm, auf der wir dann an tollen Ausblickpunkten auf den Kili hielten. Wir ritten im Sonnenuntergang zurück, mit traumhaftem Ausblick über die Felder und auf die Berge und ich war wieder ein wenig versöhnt damit, dass das Wetter in den vorherigen Tagen eher herbstmäßig war. Laszlo hatte zudem eine wunderschöne Tour ausgewählt und mit Utopia hatte ich ein sehr verlässliches tolles Pferd.

Abschlussritt mit Laszlo
Abschlussritt mit Laszlo
Mount Meru im Sonnenuntergang
Mount Meru im Sonnenuntergang

Der letzte tolle Ausflug fand am letzten Tag statt, quasi auf dem Weg zum Flughafen. Caro, Deus, Noah und ich wurden zu den Chemka Hot Springs gefahren. Es sind zwar keine heißen Quellen, wie der Name vermuten lässt. Es ist ein Flusslauf mit klarem Wasser und warmen Zuläufen und einer Liane, mit der man sich übers Wasser schwingen kann. Es war ein Traum, darin zu schwimmen. Im Stehen wurde man eh direkt von Fischen angeknabbert. Ich hatte als einzige das Glück, noch eine Wasserschildkröte zu finden und auch mit Caros Kamera zu filmen. Ein großartiger Abschluss.

Lianensprung in den Chemku Hot Springs
Lianensprung in den Chemku Hot Springs
Abschied am Flughafen
Abschied am Flughafen

Fazit

Die Farm ist ein paradiesischer Ort, den Eli und Laszlo sich eingerichtet haben. Als ich beide dort beobachtet habe – in der Praxis oder bei den Tieren – so habe ich erkannt, wie sehr sie dorthin passen und es „ihr“ Paradies ist. Dies alles so aufzubauen und aufrecht zu erhalten, kostet sicherlich viel Zeit und Energie. Vor allem als Europäer in Afrika. Sie können definitiv stolz sein, was sie dort erschaffen haben.

Die Mitarbeiter dort zu managen, ist aufgrund der Bildung und Lebensumstände, nicht einfach. Dennoch hätte ich mir an vielen Stellen eine andere Art des menschlichen Umgangs gewünscht, angefangen bei einer transparenteren Kommunikation. Auch die Volontäre leiden darunter. Aus meiner Position heraus hatte dies ein wenig etwas von einem Leadership-Management Training – Do’s und Don’ts für eine wertschätzende Zusammenarbeit und einen geregelten Informationsfluss.

Therapieseitig habe ich für mich mitgenommen, dass man im Zweifel auch mit weniger Mitteln auskommen kann, um ein Tier zu untersuchen und zu therapieren. Insgesamt war ich leider therapeutisch weniger tätig als gedacht und auch medizinisch konnte ich nicht soviel lernen wie erhofft. Meine Hosen standen irgendwann vor Dreck, jeden Tag wurde ich eingepinkelt und teils auch angekackt und an manchen Tagen lag ich mit Catberry im Zwinger, um einfach bei ihr zu sein. Prioritäten, Perspektiven und auch der Umgang mit unangenehmen Dingen haben sich verändert. Und Ruhe und Geduld bzw. Warten – dies habe ich dort viel üben können.

Ich habe gerne jeden Morgen mit den tansanischen Mitarbeitern unten bei den Tieren gearbeitet. Während ich die Hunde medikamentös versorgte, wuselten die Mitarbeiter um mich rum, um die Gehege der verschiedenen Tiere zu säubern. Ich konnte mich mit meinen Anliegen an die Mitarbeiter wenden, die auch stets interessiert waren, mehr zu lernen, so z.B. über Hunde, die im Alltag ja nicht angesehen sind und auch nicht Bestandteil eines Wildlife Management Studiums sind. So habe ich auch den Austausch zu Menschen mit einer anderen Kultur und Bildung genossen – mit vielen lustigen Momenten. Denn gerade im Austausch findet man neue Aspekte und Perspektiven, die mit Humor viel besser vermittelt werden können.

Die Erfahrung mit anderen Tierarten ist natürlich ein besonderes Highlight! Wie sehr habe ich es noch genossen, dass ein Bushbaby die Bananenstücke aus meiner Hand gefressen hat, ich das Warzenschwein kraulen und ich eine Eule noch aus 20 cm Entfernung anschauen konnte. Man kann unglaublich viel lernen im Umgang und in der Beobachtung von Tieren.

Spenden

Eli und Laszlo haben nun den Verein Kilimanjaro Animal CREW – Partnerschaft mit Tansania für Mensch und Natur e.V. in Deutschland erfolgreich gegründet. Sie können damit nun endlich unsere Arbeit in Deutschland beginnen und so die Projekte der Kilimanjaro Animal CREW vor Ort wirkungsvoller unterstützen. Unter www.wirhelfentansania.de findet man bereits erste Informationen und auch eine Möglichkeit zu spenden. Jede kleine Spende ist herzlich willkommen!

Auch der WWF weist auf die Wilderei in Tansania hin, wenn auch in einer anderen Gegend: Die Wildnis Afrikas wird zerstört – unterschreibt mit bei der Petition!

 

Ausblick aus dem Haupthaus der Farm
Ausblick aus dem Haupthaus der Farm

Die Reise

Es geht auf die Makoa-Farm, die auf 1.070 m am südlichen Hang des Mt. Kilimanjaro, dem größten Berg Afrikas, liegt. Auf der Farm gibt es eine Kaffeeplantage und etwas Mais- und Gemüseproduktion. Außerdem beherbergt sie Wild-, Nutztier- und Haustierarten, eine Tierarztpraxis und ist Refugium für verletzte und verwaiste Wildtiere und bildet die Basis für Reitsafaris in den afrikanischen Busch. In südliche Richtung erstreckt sich die Masaaisteppe aus, dahinter ist die Bergkette der „Blue Mountains“ zu sehen. Der nächste Ort zum Einkaufen ist Moshi.

 

Die Farm

Die Makoa-Farm ist ein wunderschönes, sehr grünes Idyll, in einer außenrum doch eher kargen und von Maisfeldern geprägten Gegend. Im Kern der Farm stehen das Wohnhaus, umgeben von den Gäste-Lodges mit direktem Ausblick auf den Kilimanjaro und einigen Gehegen mit angeschlossener Tierarztpraxis und Hundezwingern. Direkt dahinter schließt sich der Bereich an, in dem u.a. der Kuhstall, diverse Geflügelgehege, Pferdeställe und Gehege für ein Warzen- und ein Buschschwein sind.

Die Heuraufen unterhalb eines Pferdestalls
Die Heuraufen unterhalb eines Pferdestalls

Eine ganze Horde an Mitarbeitern ist täglich damit beschäftigt, die Gehege zu säubern, Grünzeug zu schneiden, die Tiere zu füttern, Tiere für die Fütterung zu schlachten, Futter aufzufüllen und einzukaufen, mit den Affen raus in den Wald zu gehen, auch die Kühe und die Pferde werden mit raus begleitet, da die Weideflächen nicht eingezäunt sind. Im Haus säubern, waschen und kochen weitere Mitarbeiterinnen.

Die Kinder aus dem Waldkindergarten, der unterhalb der Farm liegt, sammeln täglich Futter für die Tiere wie z.B. Heuschrecken für die Igel.

Die Volontäre fokussieren sich mehr auf die medizinische bzw. homöopathische Versorgung der Pferde, der Tierpatienten wie z.B. Katzen und Hunde und der Haushunde. Das Füttern, Säubern von Gehegen und Tieren und sonstige außerplanmäßige Tätigkeiten gehören auch mit dazu. Sie begleiten auch mit den Mitarbeitern teilweise die Gäste auf Ausritte oder trainieren die Pferde für die anstehenden Safaris.

Ausritt mit Flussquerung
Ausritt mit Flussquerung

Die Ausritte finden hier meist noch auf der Farm statt, so dass wir viel zwischen Feldern mit Mais, Kaffee und sonstigem Gemüse reiten. Auch dort sieht man immer wieder Mitarbeiter mit ihren kleinen überdachten Feuern sitzen oder stehen. Sie scheinen die Felder zu bewachen. Die Farm wird durch 2 Flüsse begrenzt, so dass das Areal ziemlich gut abgegrenzt ist. Die Pferde sind hier sehr robust und schrecken vor keinem Weg zurück. Auch durch die Flüsse kann man mit ihnen reiten. Wobei sie liebend gerne eine Weile dort verbleiben und darin rum plantschen und sich eventuell sogar ins Wasser legen. Da ist schnelles Abspringen angesagt. Wenn man Glück hat, kann man in der Nachmittagssonne noch den Ausblick auf den Kilimanjaro genießen. Generell ist dieser Ausblick bei den Ausritten toll und lässt erahnen, welch tolles Afrika-Feeling die Reit-Safaris erst erleben lassen.

 

Kili-Anblick beim Ausritt
Kili-Anblick beim Ausritt

Die Praxis

Laszlo und Eli waren sehr lange in Deutschland als Tierärzte tätig, Laszlo eher mit Schwerpunkt auf Großtiere und Eli eher auf Kleintiere. Eli hat in ihr Behandlungsspektrum mittlerweile die Homöopathie und Bioresonanztherapie mit aufgenommen, was hier in Tansania natürlich die Therapien extrem bereichert. Sie haben ja nicht alle schulmedizinischen Präparate auf Abruf wie in Deutschland. Sie haben zwar einige Mittel auf Vorrat, dennoch sind sie darauf angewiesen, einiges immer wieder mit aus Deutschland mitzubringen. Sie versorgen Wild- und Haustiere, hier vor Ort in Praxisräumen aber auch auf Hausbesuchen.

Während meines Aufenthalts habe ich leider bisher nicht so viele Patiententermine miterlebt. Die Tiere haben in Tansania nicht den Stellenwert und die Leute geben kein Geld für die Versorgung aus. Von meiner Einschätzung her würde ich sagen, dass eher die Europäer Hunde und Katzen halten und auch medizinisch versorgen lassen. So habe ich bisher vor allem Deutsche kennengelernt, aber auch vereinzelt Engländer, etc., die Hund, Katze oder Pferd versorgen ließen. Die Schwierigkeit liegt auch darin, dass die Hausbesuche eine lange Fahrzeit aufgrund der Distanzen und Straßenverhältnisse erfordern und daher auch keine täglichen Behandlungen außerhalb stattfinden können. Daher werden auch einige Tiere eher hierher gebracht, die dann eine ganze Weile in Zwingern oder Boxen verbringen, während sie therapiert werden.

Aktuell haben wir einige Welpen hier. Einen Schäferhundwelpen, der der Ortspolizei von Moshi gehört. Er wird vermutlich nie in den Dienst aufgenommen. Ein Röntgenbild bestätigt, dass der Unterarm nicht im Ellbogengelenk sitzt und somit wächst das Bein falsch. Das Problem ist hier, dass niemand eine Operation bezahlt und fraglich ist, ob sich das auch so einfach bei einem so kleinen jungen Hund operieren lässt, der ja noch im Wachstum ist. Dann haben wir Cloe und Otto hier, 2 Kuschelhund, die im Haus gehalten werden sollten. Die Besitzer haben allerdings gedacht, dass Hunde am besten draußen gehalten werden und daher haben die beiden Welpen Husten verschleppt. Die Mitarbeiter haben in der Regel überhaupt keine Ahnung von Hunden und Katzen, daher fallen solche Symptome wie Husten meist nicht auf. Vor allem bei Besitzern, die geschäftlich viel unterwegs sind und ihren Mitarbeitern die Tiere überlassen. Wir haben hier vor Ort sehr viel mit Zecken zu kämpfen. Es gibt zwar keine Borreliose hier, aber die Zecken übertragen vereinzelt Blutparasiten. Diese Blutparasiten fressen die roten Blutkörperchen auf. Wenn man es früh genug beim Hund erkennt, dass er immer schwächer wird, dann kann man noch eine Therapie versuchen, die zum einen die Parasiten abtötet und zum anderen eine Bluttransfusion machen. Dazu benötigt man allerdings natürlich einen Hund, der das Blut spenden kann. Eli hat zuletzt einige solcher Bluttransfusionen gemacht, so dass ihre Hunde nun erstmal nicht mehr als Spender zur Verfügung stehen können.

 

Der Schäferhundwelpe
Der Schäferhundwelpe

Generell werden Hunde und Katzen von den Tansaniern eher verjagt oder gar totgeschlagen. Sie sind auch nicht darüber aufgeklärt, wie sie die Vermehrung eindämmen können wie bei uns mit den Sammelkastrationsterminen der Katzen. Pferde gibt es so gut wie gar keine in Tansania. Laszlo schätzt es auf ca. 400 Pferde im Land. Die Menschen haben Angst vor Pferden und sehen sie als Wildpferde. Die Polizei hier in Moshi hat zwar auch Pferde, wurde aber in den letzten Jahren auch immer mehr durch Eli und Laszlo darin beraten, wie man überhaupt mit denen umgeht. Ich war bei einem Untersuchungstermin dabei und die Stuten waren tatsächlich kaum anzufassen geschweige denn festzuhalten – so fremd ist der Umgang mit den Menschen. Eli und Laszlo versuchen zum Schutz der Pferde den Menschen zu erklären, dass Pferdefleisch impotent macht, damit niemand auf die Idee kommt, Pferde zu stehlen und zu schlachten. Fleisch ist ein rares Gut und anscheinend essen die Menschen hier alle Bestandteile vom Tier. Weil es also keine regulären Fleischabfälle gibt und es rein rares Gut ist, wird auch den Hunden hier ein Gemisch aus Reis und Fleisch gekocht, wobei nur ein kleiner Anteil Fleisch reinkommt.

Die anderen Fleischfresser hier auf der Farm bekommen extra zugekauftes Rindfleisch oder Kaninchen oder Mäuse, die extra gezüchtet werden.

 

Die Tiere

Die Tiervielfalt auf der Farm ist enorm und erfordert, permanent die Augen offen zu halten. Neben den wilden Affen, die auch in den Bäumen rumspringen, sind vor allem die Affen, die zur Farm gehören, sehr neugierig und bei Gelegenheit sehr aufdringlich. Sie werden zwar auch nachts eingesperrt, sind aber durchaus in der Mittagspause mal darauf aus, einem aufzulauern und etwas wegnehmen zu wollen. Sie klettern auch mal auf einen drauf, wenn es blöd läuft, beißen sie sogar oder ziehen an den Haaren. Ich muss aus eigener Erfahrung sagen, dass dies höchst unangenehm ist. Da sie so flink und so unvorhersehbar sind, gehe ich ihnen gerne aus dem Weg.

Dieser Affe überraschte mich in der Mittagspause, blieb aber sehr freundlich
Dieser Affe überraschte mich in der Mittagspause, blieb aber sehr freundlich

In den Momenten, in denen man sich recht sicher fühlen kann, ist es beispielsweise sehr nett, an Bäumen vorbei zu reiten, durch die dann gerade die Affen springen. Gegen Abend hat man die Gelegenheit, auch mal Bushbabys zu sehen, Halbaffen, die eher nachtaktiv sind. Bushbabys haben ein breites Spektrum an Geräuschen, die sie machen. Eine Art Brummen ist sehr angenehm, wohingegen das Schreien, wenn ihnen etwas nicht passt oder sie Gefahr wittern, eher ohrenbetäubend ist – trotz der kleinen Größe.

Ein Bushbaby holt sich ein Stück Banane
Ein Bushbaby holt sich ein Stück Banane

Es ist nicht jedermanns Sachen, aber den Umgang mit den Marabus finde ich etwas einfacher als mit den zur Farm gehörenden Affen. Die Marabus schnappen gerna mal nach einem oder wollen einem etwas wegnehmen. Marabu Daisy hat es tatsächlich schon 2x geschafft, mit meinem iPhone durch die Gegend zu laufen. Die Marabus beobachten sehr genau, wo man etwas kurz ablegt und finden es unglaublich toll, damit im Schnabel rumzulaufen. Auch mit Felix, der Ducker, der gerne mal mit seinen Hörnern auf einen zu gerannt kommt, kann man umgehen. Besonders lustig ist mit anzuschauen, wenn Finchen, einer der Haushunde, mit einem der Affen spielt. Es ist ein Erlebnis, wenn einzelne Tiere aufeinander treffen und miteinander spielen. Jedes Tier hier an sich ist auf seine Art „verrückt“. So gibt es noch Asterix, ein weißer Hahn, der von einem Volontär aufgezogen wurde, sich daher nicht mit anderen Hühnern versteht und uns stets zum Essenstisch begleitet. Elis 5 Hunde jagen auch gerne dem ein oder anderen Mitarbeiter Angst ein, da es eine kleine wilde Truppe ist: Rolo, ein Rottweiler, der eine Art Sprachfehler hat, da er alles gerne per Knurren kommuniziert – egal ob lieb oder böse gemeint – und manchmal glaubt, er sei ein Schoßhund. Brandy, ein Schäferhund, der in seiner Aufgabe als Wachhund voll aufgeht. Als Katze oder Affe würde ich Brandy nicht begegnen wollen, das könnte in Hackfleisch enden. Finchen ist ein flinker, stets freundlicher Hund, der gerne mal auf die Jagd geht. Schnuffi, der auch aussieht wie sein Name verspricht, ist trotz Größe nicht zu unterschätzen und Honey, die aufgrund ihres Alters etwas taub und blind ist, aber einfach immer hinter jemanden her läuft und wenn einmal die Bellmaschine angeworfen ist, hört sie nicht auf, bevor man sich nicht ihr klar und deutlich zeigt.

Ducker Felix
Ducker Felix

Insgesamt erinnert es mich schon an meine Kindheit. Da gab es zwar die Wildtiere nicht, aber das tägliche Umherwuseln der einzelnen Tiere und die Versorgung derer kommt mir sehr bekannt vor. Vor allem in der aktuellen Phase, da Eli und Laszlo auf Safari sind und die andere Volontärin Caro und ich derzeit alleine im Haus leben und somit einiges hier im Tagesablauf mehr zu tun haben als sonst.

Während ich im Büro meinen Bericht schreibe, bin ich umringt von 5 Hunden und Asterix, dem weißen Hahn. Er verfolgt einen überall hin, solange man ihn nicht wieder heraus setzt. Wer mein zuhause in Essen kennt, weiß, wie viel Ähnlichkeit dies hat 😉

"Schoßhund" Rolo und Hahn Asterix auf der Treppe der Terrasse, auf der wir immer essen
„Schoßhund“ Rolo und Hahn Asterix auf der Treppe der Terrasse, auf der wir immer essen

Die Wildtiere hier auf der Farm werden nach Möglichkeit ausgewildert. Die Tiere, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht ausgewildert werden können oder auch zu pädagogischen Zwecken hier bleiben sollen, versucht man, bestmöglich zu halten und zu beschäftigen. Jede einzelne Tierart hier ist mir nicht geläufig und es ist bei der Vielfalt garnicht so einfach den Überblick zu behalten, aber zu den Tieren gehören:

2 Marabus, 1 Ducker, 2 Gänse, einige Hühnerrassen, Pfauen, 1 Sekretär, 1 Sattelstorch, 1 Weißstorch, 1 Ziege, 1 Antilope, 1 Buschschwein, 1 Warzenschwein, 1 Igel, Schildkröten (2 große freilaufende, 2 kleine), weiße Mäuse, Kaninchen, 2 Meerschweinchen, Bushbabys (freilebend, werden aber abends gefüttert), 2 Stachelschweine, 2 Schopfadler, 1 dreibeinige Servalkatze, diverse Paviane, diverse Diadem- und Grünmeerkatzen, 1 Colobus Monkey, 2 Mungos, Pferde mit 1 Esel, diverse Kühe mit 1 Büffel, 1 Flamingo, 3 Eulen (die im Pferdestall leben, davon 1 taub und blind)….ich habe bestimmt noch etwas vergessen, zumindest beim Federvieh

Marabu Paul, der durchaus auch angriffslustig sein kann
Marabu Paul, der durchaus auch angriffslustig sein kann

Man ist sonst noch täglich umgeben von Eidechsen und Geckos und auch Schlangen, auf deren Begegnung ich nicht so sehr Wert lege.

 

Eine der 3 Eulen auf der Farm - sie ist taub und blind
Eine der 3 Eulen auf der Farm – sie ist taub und blind

Der Tagesablauf

Der Wecker für uns Volontäre geht um 7 Uhr, dann kommen zunächst die Haushunde raus, die Patienten bei der Praxis werden medizinisch versorgt, einige Pferde gegen Fliegen eingesprüht und evtl. noch Boxen gesäubert, o.ä. Nach dem Frühstück und auch nach dem Mittagessen geht es weiter mit außerplanmäßig anstehenden Aufgaben wie z.B. Patientenbesuchen oder Terminen hier vor Ort oder Ausritten. Das Programm sieht täglich anders aus, je nachdem, ob Gäste auf der Farm sind oder welche Tiere krank sind. Es kommen teilweise auch Tagesgäste, die hier einen Monkeywalk oder eine Farmführung machen. Am Nachmittag gibt es evtl. einen weiteren Ausritt bzw. Training mit den Pferden. Wir bereiten dann noch die Medizin für den kommenden Tag vor, beschäftigen die Tierpatienten, füttern Bushbabys, Stachelschweine, Igel, bestellen Pferdefutter.

Hier wird alles streng überwacht, was die Mitarbeiter (Tansanier) betrifft und abgeschlossen, um zu verhindern, dass Mitarbeiter Material stehlen. Daher erfolgt u.a. der Bestellprozess für das Kuh- und Pferdefutter täglich mit genauer Dokumentation, so dass ein Verlust im Lager weiter unterhalb der Farm auffallen würde.

Die Aktivitäten strecken sich bis nach dem Abendessen und somit fallen wir dann irgendwann ab 22 Uhr ins Bett.

Organisatorisch ist es darauf ausgelegt, dass mindestens 2 Volontäre da sind. Es scheinen meist Mädels zu sein, die nach der Schulzeit noch die Zeit zum Studium überbrücken, vor allem, wenn sie dann an Tiermedizin interessiert sind. Somit falle ich aus der Altersstruktur etwas heraus. Ich bin mit Caroline hier. Sie ist 17, hat die Schule abgeschlossen und bleibt für ein Jahr hier. Während ich für den Aufenthalt hier zahle, kann sie aufgrund der Dauer und ihres Arbeitseinsatzes gegen Kost und Logis hier verweilen. Da sie seit 2 Tagen krank ist, macht es auch Sinn, dass wir zu zweit sind, damit wenigstens einer alle Aufgaben übernehmen kann.

 

Sonderaufgabe

Catberry beim Trainieren umgeben von den Marabus
Catberry beim Trainieren umgeben von den Marabus

Als ich hier ankam, habe ich direkt Catberry kennengelernt, ein ca. 4 Monate alter Hund. Sie ist hier Patientin und wurde von den Besitzern hier eingeliefert, da sie offensichtlich eine Art Lähmung in der Hinterhand hat. Eli und Laszlo vermuten, dass sie von der Tochter fallengelassen wurde, da diese sie gerne rumgetragen hat. Aufgrund meiner Physiotherapieerfahrung haben sie mich gebeten, den Hund therapeutisch zu unterstützen. Nun haben wir hier nicht die Möglichkeiten wie in Deutschland. Das geht damit los, dass wir hier keine diagnostischen Mittel wie Röntgen, MRT, o.ä. haben. Zudem lernen wir in Deutschland, dass man bei jungen Tieren im Wachstum nur mäßig bzw. vorsichtig Therapien im Bewegungsapparat vornehmen sollte. Die Besitzer sind kaum bereit, Geld zu zahlen, daher fallen auch aufwändige Therapien weg. Catberry lag meist sehr gekrümmt auf der rechten Seite, da ihr rechtes Hinterbein am wenigsten Muskulatur hat und am wenigsten Reaktion zeigt. Sie ist extrem lebensfroh und möchte am liebsten nur durch die Gegend stürmen. Das merkt man, wenn man sie hinten stützt, denn dann rennt sie einem quasi davon. Sie kann ihr linkes Hinterbein nun teilweise belasten. Zwischenzeitlich machte sie wieder Rückschritte und konnte keins der Hinterbeine auch nur annähernd belasten. So ist es ein stetes hin und her. Ich versuche, 3 – 5 x täglich, mit ihr zu üben. Wenn ich diese Art der Lähmung und den schleichenden Fortschritt und die Rückschritte so betrachte, muss ich gestehen, dass ich die Therapeuten, die mit Behinderten arbeiten, die sich zudem nicht wirklich äußern können, höchsten Respekt zolle. Auch mich ergreift es emotional sehr, wenn ich mit Catberry arbeite und wünsche mir sehr, dass sie eine Strategie findet, sich auf irgendeine Art und Weise frei bewegen zu können.

Eli und Laszlo haben sie mal mit anderen Tieren hier ins Human-Krankenhaus genommen, um sie zu röntgen. Es gibt einen Arzt, der ihnen den Zugang nach Feierabend gibt und mit ihnen die Röntgenbilder macht, die allerdings eine sehr schlechte Qualität haben. Da die Moslems Hunde für unrein halten, darf niemand mitbekommen, dass sie mit den Tieren ins Krankenhaus kommen. Sie waren aber sogar schon mal mit einem Pferd dort. Man sieht Stufen in ihrer Wirbelsäule und es könnte sein, dass ein Oberschenkelknochenkopf nicht richtig verwächst. Daher evtl. die fehlende Stabilität. In der kurzen Zeit, in der ich sie hier sehe, wächst sie allerdings in einem Megatempo. Mittlerweile liegt sie teilweise etwas gerader, die Wirbelsäule sieht nicht mehr allzu gekrümmt aus und derzeit kann sie ihr linkes Hinterbein belasten. Alleine aufstehen oder stehen kann sie nicht. Ich versuche immer wieder mit ihr Muskeltraining zu machen, so dass sie Gewicht aufnehmen kann oder sich abstützen. Um irgendwann mal richtig laufen zu können, würde sie eine sehr lange Therapie benötigen. Schwimmtherapie wäre toll, aber wir können sie aufgrund der kühlen Temperaturen leider nicht im Teich schwimmen lassen. Eine lange Therapie wird niemand leisten können und ihre letzten Besitzer werden sie auch vermutlich nicht zurücknehmen. Derzeit ist geplant, dass sie zu ursprünglichen Besitzern zurückgeht. Ein Engländer und eine Deutsche, die gemeinsam ein Kinderheim mit Behinderten und ein Tierheim mit über 50 Hunden führen. Dort könnte Catberry mit Hilfe eines Rollstuhls mit den Behinderten leben. Vielleicht ist das hier in Tansania die beste Option.

Neben Catberry gab es hier auch einen Katzenpatienten, der kurz vor mir hier ankam und den ich betreut habe. Der Kater wurde anscheinend von Hunden „durchgekaut“. Er konnte nur auf dem Rücken liegen und robbte sich auch nur liegend durch die Box, in der er lag. Wir haben ihm viel Regenerationszeit gegeben und dann allmählich mit Futter motiviert, immer mehr aufrechte Bewegungen zu wagen. Eli hat Bioresonanztherapie gemacht und als die Besitzer ihn abholten, konnte er ganz vorsichtig auf allen vieren laufen. Er scheint aber neuronale Verletzungen bekommen zu haben, denn ganz physiologisch kann er nicht alle Beine belasten. Er wird nun weiter zuhause gut betreut.

 

Winter

Ich bin hier in der Endphase des Winters und erlebe es hier deutlich kühler, als ich erwartet habe. Aufgrund der Nähe zum Äquator wird es vor 7 Uhr hell und so um 19 Uhr stockduster. Wenn die Sonne scheint, dann sehr intensiv, aber es kann auch innerhalb eines Tages ziemlich abkühlen und wechselhaft sein. Ich habe auch schon einige wolkige Tage erlebt. Teilweise ist es sogar recht düster, wenn man aufsteht. Die Sicht auf den Kilimanjaro habe ich leider noch nicht so oft genießen können. Ganz frei habe ich ihn leider bisher auch nicht gesehen.

 

Blick auf den Kili in der Mittagspause
Blick auf den Kili in der Mittagspause

Umgang mit Tieren und Natur

Gemäß Laszlos Erläuterungen sind die Tansanier historisch gesehen gewohnt, alles zu haben, was sie so im Leben brauchen, ohne dass sie dafür etwas tun müssen. Sie haben auch ganz andere Ansprüche als wir Europäer in den Industrieländern. Aufgrund des Klimas gab es auf den Feldern und in den Wäldern alles, was sie brauchten. Zum Leben bauen sie sich quasi ein Dach über dem Kopf und dann holen sie sich ihre Nahrung und viel mehr brauchen sie offensichtlich nicht. Sie haben keinen Geschäftssinn wie wir in Europa. Man sieht zwar an den Straßen überall so etwas wie Geschäfte bzw. „Buden“, aber diese gehören wohl reichen Indern, die dann Tansanier beschäftigen. Diese sitzen meist nur rum und warten. Auch für die Felder werden die Arbeiter nur tageweise bestellt. Man weiß nämlich nicht, ob sie nach der Entlohnung für einen Tag überhaupt Interesse haben, ein weiteres Mal zu kommen. Wenn sie das nötigste Geld für ihr Leben haben, sind sie offensichtlich weniger an Arbeit interessiert und lehnen sie dann auch ab. An den Straßenkreuzungen stehen Unmengen an Motorradtaxen rum. Auch diese werden den Fahrern gegen einen fix vereinbarten Umsatz zur Verfügung gestellt. Man sieht solche Motorräder permanent durch die Gegend düsen und erkennt, dass sie sehr sparsam damit umgehen, denn bergab machen sie sogar häufig den Motor aus.

Die Menschen sind hier generell sehr nett. Wenige sprechen Englisch, die meisten Kiswahili, so dass das Kommunizieren häufig schwierig ist. Gemäß der Aussagen einer deutschen Biologieprofessorin sind die Menschen hier auch Europäern gegenüber interessiert, um auf legale oder auch hinterhältige Art und Weise Geld zu machen. Frauen scheinen hier allerdings recht sicher im Land zu sein, ausgenommen auf Sansibar. Gestern abend gab es allerdings solche Schreie aus dem Village weiter unten, dass ich mir doch nicht sooo sicher bin.

Colobas Affen im Baumnationalwald bei Moshi
Colobas Affen im Baumnationalwald bei Moshi

Wenn man die Erzählungen so hört, scheint es Tansania als Dritte Welt Land recht gut zu gehen. Leider haben sie kein Verständnis für den Umgang mit Natur und Tier. Sie holzen einfach Wald ab, ohne zu verstehen, welche Bedeutung manche Bäume haben und ohne zu respektieren, dass einige Arten geschützt sind. Ich habe bei Moshi einen Baumwald besucht, der als Nationalpark geschützt ist. Dennoch dringen immer wieder Anwohner zum Abholzen ein, da es keine Umzäunung gibt. Sie jagen jegliche Tiere, die sie für essbar halten, ohne zu verstehen, wie wichtig der Erhalt der Arten ist. Und selbst die Massai, die aus meiner Sicht einen sehr natur- und tierverbundenen Ruf nach außen hin haben, zerstören hier alles, weil sie einzig und allein ihre Traditionen verfolgen. Paradox ist allerdings, dass sie mittlerweile mit dem Smartphone durch die Gegend ziehen. Ich war mit Laszlo im West-Kilimanjaro Gebiet und fuhr mit ihm durch die Savanne. Er erzählte mir, dass da noch vor einigen Jahren kniehohes Gras stand und nun, nachdem die Massai dies als Weideland für ihre Rinder nutzten, ist es ein einzig sandiger mit Furchen durchzogener Boden, der vermutlich nur durch langjährige Ruhezeit regenerierbar würde.

Es erscheint derzeit aussichtslos, sowohl den Massai in ihren Aktivitäten zu stoppen als auch den Tansaniern mehr Verständnis für Ökologie beizubringen. In der Politik finden sich kaum Befürworter für Natur- und Tierschutzaktivitäten und wenn es mal einen gibt, so findet er kaum die Power, bis nach oben hin durchzukommen. Leider kommen auch häufig Gelder nicht da an, wofür sie von anderen Ländern gespendet werden. Die Minister kommen damit durch, einfach zu erklären, dass das Geld aus unerfindlichen Gründen einfach weg sei.

Savanne im West-Kilimanjaro Gebiet
Savanne im West-Kilimanjaro Gebiet

Laszlo und Eli sind hier mit ihrer Farm schon einmalig in Tansania. Damit sie die Wildlife-Rescue-Station überhaupt erhalten können, sind sie noch im Tourismus mit den Reitsafaris und Lodges tätig. Sie wollen nicht nur verletzten Tieren helfen, sondern auch den Menschen die Tiere näher bringen. Eine große Hürde in der Versorgung von verletzten Wildtieren ist allerdings, dass man ein verletztes Wildtier nicht einfach retten darf. Es gilt sofort als Trophäe und ist strafbar. Man muss die Genehmigung des Rangers einholen. Dieser muss wiederum auch einen Antrag stellen, denn ein Ranger traut sich häufig nicht, die Entscheidung selber zu fällen. Dieser Prozess kann sich über Tage und Wochen ziehen und bis dahin sind die Tiere dann zum Teil schon verendet. Dies ist absolut absurd.

 

Zebras im West-Kilimanjaro Gebiet
Zebras im West-Kilimanjaro Gebiet

Arusha Nationalpark

Büffel und Warzenschweine im Arusha Nationalpark
Büffel und Warzenschweine im Arusha Nationalpark

Ich hatte die Gelegenheit, an einen Tag den Arusha Nationalpark zu besuchen. Er ist klimatisch als tropischer Regenwald einzustufen. Es ist sehr teuer hier, die Parks zu besuchen. Man zahlt einen Eintritt, muss sich mit Ausweisnummer, etc. anmelden und zahlt dann noch Aktivitätengebühren, somit kostet wandern noch mal separat und z.B. Kanufahren auch – also nur die Aktivität an sich. Der Ranger, den man zum Begleiten beim Wandern braucht, kostet auch noch mal separat Geld und das Ausleihen eines Kanus auch.

Wir haben eine kurze Wanderung gemacht, direkt an Büffeln, Warzenschweinen und Giraffen vorbei. Anschließend sind wir mit dem Jeep durch den Park gefahren, vorbei an Pavianen, Zebras, Wasserböcken, Buschböcken, Dikdiks, Flamingos – das absolute Highlight war ein Leopard, den wir direkt auf der Straße getroffen haben und wenige Meter von uns im Gebüsch anschauen konnten.

Beim Gähnen erkennt man die gewaltigen Zähne eines Pavians, die man lieber nicht genauer kennenlernen möchte
Beim Gähnen erkennt man die gewaltigen Zähne eines Pavians, die man lieber nicht genauer kennenlernen möchte

 

Ein Leopard in wenigen Metern Nähe
Ein Leopard in wenigen Metern Nähe

 

Die Tiervielfalt, die ich vor einigen Jahren in Botswana gesehen habe, werde ich hier nicht sehen. Ich bin ja planmäßig auch die meiste Zeit auf der Farm tätig. Es ist nicht so einfach hier wegzukommen, um Ausflüge zu machen, da wir recht abseits leben. Wenn möglich wird es so organisiert, dass wir einen Fahrer haben, der uns mitnimmt, wenn er eh beispielsweise nach Moshi fährt. Alternativ könnte man sonst natürlich vor zur Straße und dort ein überfülltes Dala Dala (Bustaxi) nehmen.

Ich werde noch bis Ende des Monats in Tansania bleiben und bin gespannt, welch weiteren Erfahrungen ich noch sammle. Die Photos geben einen ersten Eindruck. Ich habe geplant, noch weitere Photos von den Tieren hier vor Ort zu machen.